Dienstag, 27. März 2018

Rezension: Idaho von Emily Ruskovich

Titel: Idaho

Autorin: Emily Ruskovich

Übersetzerin: Stefanie Jacobs

Verlag: Hanser Berlin

Seitenzahl: 384

ISBN-10: 3446258531

ISBN-13: 978-3446258532

Preis: 24,00 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt: 

Ein flirrender Sommertag in Idaho, USA: eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Ist es Gnade, dass der Vater, Wade, langsam sein Gedächtnis verliert? Bald wird er nicht mehr wissen, welche Tragödie sich an jenem Tag abgespielt hat, wie seine Töchter hießen und seine Frau, Jenny, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Auch Ann, die Frau, deren Liebe groß genug ist, um zu Wade in das leere Haus zu ziehen, wird nie den Hergang der Tat erfahren. Aber mit jedem Tag an Wades Seite erkundet sie genauer, was damals geschehen ist, und nimmt schließlich Kontakt zu Jenny auf. Ein atemberaubender Roman über das Unbegreifliche in uns.

 

 

 

Meine Meinung:   

"Idaho" ist ein Roman der Autorin Emily Ruskovich. Auf dieses Buch habe ich mich schon seit einer Weile sehr gefreut und war total glücklich es nun auch in einer Leserunde lesen zu dürfen. Besonders viel habe ich mir von der Mischung aus schwieriger Thematik ( Alzheimer ) und dem schweren Verbrechen versprochen, denn die Idee klang, meiner Meinung nach, richtig spannend. Ob mich auch der Inhalt so von sich überzeugen konnte? Das erzähle ich euch jetzt ...

 

In dieser Geschichte geht es um die Protagonisten Ann, Wade und Jenny. Ann ist die zweite Frau von Wade, der an einer schweren Alzheimer Erkrankung leidet, die schon in jüngeren Jahren eingesetzt hat. Mit den Jahren ist es immer schlimmer geworden, aber Ann ist treu an seiner Seite. 

 

Jenny ist die Ex - Frau von Wade und aufgrund eines schrecklichen Verbrechen's zu lebenslanger Haft verurteilt worden. An einem heißen Sommertag soll Jenny ihre jüngere Tochter erschlagen haben und ihre ältere Tochter ist seit der Tragödie spurlos verschwunden. Ann ist wie besessen von dem Schicksal der Familie nach diesem Tag und nimmt irgendwann sogar Kontakt zu Jenny auf, um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Während Wade mehr und mehr sein Gedächtnis verliert, versucht Ann zu rekonstruieren was damals wirklich passiert ist ...

 


Der Einstieg in die Geschichte ist mir gut gelungen. Der Schreibstil von Emily Ruskovich hat mir weitestgehend sehr gut gefallen, auch wenn ich sagen muss, dass man sich mit Sicherheit auf die poetischen und stets detaillierten Beschreibungen einlassen können muss. Es ist schon etwas ganz anderes als der literarische Mainstream, aber gerade deshalb fand ich es sehr gelungen. Manche Passagen wirkten durch die verschiedenen Inhalte und Erzählstränge, auf mich, wie traumähnliche Sequenzen. Manch anderer Leser/andere Leserin könnte es aber auch als überaus sprunghaft empfinden. Ich denke, dass dieses Buch schon im Bezug auf den Schreibstil die Gemüter spalten könnte.  

 

Die Handlung ist vielschichtig und hat mich direkt zu Beginn komplett in ihren Bann gezogen. Ich mochte es die Charaktere langsam und Schicht für Schicht kennenzulernen und ihre Entwicklungen oder auch Rückschritte mitzuerleben. Am spannendsten war es für mich natürlich im Hinblick auf die Tragödie und den Mord der Mutter an ihrer kleinen Tochter. Zudem war ich gespannt was wohl mit der älteren Schwester geschehen ist. Diese Themen haben mich fast bis zur Hälfte des Buches sehr gut unterhalten, aber dann wurde die Geschichte leider immer zäher. Es kamen auf einmal viele, neue Charaktere dazu, die am Ende gar keine große Rolle spielen sollten und es gab einige Geschehnisse, die nur gestreift wurden und die, in meinen Augen, nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun hatten. 


Die Emotionen hat Emily Ruskovich weitestgehend gut dargestellt, obwohl ich sagen muss, dass mir besonders gegen Ende manches ein bisschen unrealistisch vorgekommen ist. Die Charaktere machen definitiv Entwicklungen durch, aber nicht alle haben mich berühren können. Von der Alzheimer - Thematik hatte ich mir ein bisschen mehr versprochen, aber das war nicht der größte Minuspunkt für mich. Was mich am meisten enttäuscht hat war, dass die Autorin, am Ende, so gut wie alle Fragen unbeantwortet gelassen hat. Das hatte ich nach einer Weile befürchtet, da immer mehr Inhalte hinzukamen und die Seiten zu knapp gewesen wären, um alles zu beantworten und aufzulösen. Dennoch muss ich sagen, dass ich dieses Ende wirklich schwach fand. Die ganze zuvor aufgebaute Spannung, die eigenen Vermutungen als Leser/Leserin laufen hier leider komplett ins Leere und das hat mir gar nicht gefallen. Wenn es ein zwei Dinge gewesen wäre, die offengeblieben wären, hätte ich mich damit arrangieren können, aber so blieben selbst die wichtigsten Fragen unbeantwortet.


Positiv: 

* ansprechender, poetischer und besonderer Schreibstil

* gute Darstellung der Charaktere

* tolle Buchidee und interessanter Aufbau


Negativ: 

* am Ende wurde keine der offenen Fragen beantwortet

* ca ab der Hälfte verliert sich die Handlung ein bisschen in Nebenschauplätzen

* der Spannungsbogen nahm leider kontinuierlich ab und stieg auch gegen Ende

   nicht mehr an


Mit ihrem poetischen und beinahe träumerischen Schreibstil entführte mich die Autorin nach "Idaho". Die Geschichte beginnt spannend und vielversprechend, was sich leider im Verlauf verliert. Insgesamt kann ich sagen, dass mich auch die tollen Ideen, nicht über das offene und unbefriedigende Ende hinwegtrösten konnten!