Dienstag, 2. Januar 2018

Rezension: Im Herzen der Gewalt von Édouard Louis

Titel: Im Herzen der Gewalt 

Autor: Édouard Louis

Übersetzer: Hinrich Schmidt - Henkel

Verlag: S. Fischer

Seitenzahl: 224

ISBN-10: 3103972423

ISBN-13: 978-3103972429

Preis: 20,00 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt: 

In seinem autobiographischen Roman ›Im Herzen der Gewalt‹ rekonstruiert der französische Bestsellerautor Édouard Louis die Geschehnisse einer dramatischen Nacht, die sein Leben für immer verändert.

Auf der Pariser Place de la République begegnet Édouard in einer Dezembernacht einem jungen Mann. Eigentlich will er nach Hause, aber sie kommen ins Gespräch. Es ist schnell klar, es ist eine spontane Begegnung, Édouard nimmt ihn, Reda, einen Immigrantensohn mit Wurzeln in Algerien, mit in seine kleine Wohnung. Sie reden, sie lachen, aber was als zarter Flirt beginnt, schlägt um in eine Nacht, an deren Ende Reda Édouard mit einer Waffe bedrohen wird.

 

 

Meine Meinung: 

"Im Herzen der Gewalt" ist ein autobiographischer Roman des Autors Édouard Louis. Dieses Buch hat aufgrund des Thema's direkt meine Neugier geweckt. Die Inhalte sind aktuell und für mich klang allein schon der Klappentext nach einer bewegenden und tiefergehenden Geschichte, auf die ich sehr gespannt war. 

 

In dieser Geschichte geht es um den Protagonisten Édouard. Der junge Mann ist auf dem Weg nach Hause, als er dem jungen Reda begegnet. Reda stammt aus Algerien und schon nach einem kurzen Gespräch fühlt sich Édouard zu ihm hingezogen und nimmt ihn mit in seine Wohnung. 

 

Die beiden Männer flirten und lachen, aber sie sprechen auch über ernstere Dinge. Doch im Verlauf der Nacht endet die Leichtigkeit und schlägt um in Gewalt, an deren Ende der Protagonist mit einer Waffe bedroht wird und um sein Leben fürchten muss ... 

 

 

Der Einstieg in diese Geschichte ist mir gut gelungen. Der Schreibstil von Édouard Louis ist detailliert und der Autor hat ein tolles Feingefühl mit dem er auch schwierige Themen, die hier vorherrschen, gekonnt vermittelt. Die Geschichte ist autobiographisch und wird aus mehreren verschiedenen Sichten geschildert, zum Beispiel von Édouards Schwester oder auch Polizeibeamten. Durch das Wissen, dass der Autor dieses Geschehen selber erlebt hat gingen mir die Inhalte noch einmal mehr unter die Haut und bescherten mir ab und an echte Gänsehaut. 

 

Die Themen dieses Buches sind vielfältig und in der Kombination durchweg dazu da, um zum Nachdenken anzuregen. Ich war als Leserin geschockt, verunsichert, wurde geängstigt, habe den Kopf über manches Verhalten geschüttelt und bin mir sehr sicher, dass diese Inhalte nicht nur einen kurzzeitigen, sondern einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen werden. 

 

Die Ausarbeitung der Charaktere ist recht gut gewesen, aber das Hauptaugenmerk liegt doch deutlich auf dem Protagonisten. Die anderen Charaktere waren mir ab und an ein bisschen zu klischeehaft skizziert, aber es ist nicht mal unrealistisch, da es solche Reaktionen und Denkweisen, ja leider wirklich zu hauf gibt. Wer selbst unter Missbrauchserfahrungen leidet sollte aufgrund des ungeschönten Blick's auf solch eine Tat vielleicht eher Abstand zu dem Buch nehmen, da es durchaus triggern könnte. Allen anderen kann ich diese Geschichte aufgrund ihrer emotionalen Bandbreite und der wichtigen Themen nur ans Herz legen.

 

Positiv: 

* detaillierter und empathischer Schreibstil

* spannende Handlung

* wichtige und vielseitige Themenauswahl

* tolle Mischung verschiedenster Emotionen 

 

Negativ: 

* wenige Charaktere waren mir etwas zu klischeehaft skizziert

 

"Im Herzen der Gewalt" ist ein vielschichtiges und bewegendes Buch, welches einen starken Eindruck hinterlässt und durch die wichtigen Inhalte auch zum Nachdenken anregt!