Donnerstag, 28. Dezember 2017

Rezension: Kleine große Schritte von Jodi Picoult

Titel: Kleine große Schritte 

Autorin: Jodi Picoult

Übersetzerin: Elfriede Peschel

Verlag: C. Bertelsmann

Seitenzahl: 592

ISBN-10: 3570102378

ISBN-13: 978-3570102374

Preis: 20,00 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt: 

Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …

 

 


Meine Meinung: 

"Kleine große Schritte" ist ein Roman der Autorin Jodi Picoult. Auf dieses Buch habe ich mich schon, seit ich es in den letzten Verlagsvorschauen entdeckt habe, riesig gefreut. Ich mag die Bücher von Jodi Picoult oft richtig gerne und war auf dieses, besonders wegen der spannenden und wichtigen Thematik gespannt. 

 

In dieser Geschichte geht es um die Protagonistin Ruth Jefferson. Ruth arbeitet seit vielen Jahren in ihrem Job als Säuglingsschwester und bisher waren alle stets mit ihr und ihrer Arbeit zufrieden. Doch eines Tages findet sie in der Akte eines Neugeborenen eine Notiz, dass kein Afroamerikaner das Kind berühren darf. Ursache sind die rechtsradikalen Eltern des Säuglings, denen Ruth's Hautfarbe ein Dorn im Auge ist. 

 

Was niemand ahnen kann ist, dass eines Tages alles so läuft, dass Ruth die einzig verfügbare Krankenschwester ist und genau dieses Kind eine schwere Krise erleidet. Und plötzlich steht Ruth vor der Frage, ob sie sich der Anweisung der Stationsleitung widersetzen darf. Als sie schließlich einschreitet und das Kind, trotz jeglicher Notfallmaßnahmen, verstirbt wird Ruth angeklagt und sieht sich plötzlich nicht nur den alltäglichen rassistischen Anfeindungen ausgesetzt, sondern einem Prozess, der ihr ganzes Leben zerstören könnte ... 


 

Der Einstieg in diesen Roman ist mir dank des tollen und einfühlsamen Schreibstils von Jodi Picoult sehr gut gelungen. Leider kam es im Verlauf der Geschichte aber immer wieder zu häufigen, inhaltlichen Wiederholungen, was ich nicht gut fand und was auch dazu führte, dass mir die Geschichte, bei der Autorin eher ungewohnt, langatmig vorkam. 

 

Die Thematik des alltäglichen und speziell auf Ruth's Geschichte gemünzten Rassismus wurde oftmals gut umgesetzt und es gab für mich ein paar Momente, die schon nachdenklich stimmten und dazu führten, dass ich mich selbst ebenfalls hinterfragte. Schade fand ich halt, dass durch die Wiederholungen manches eher anstrengend auf mich wirkte, wobei die Inhalte schon beim ersten Erwähnen ihre Spuren hinterlassen haben.  

 

Die Ausarbeitung der Charaktere hat mir leider nur teilweise gut gefallen. Komischerweise blieben mir die Protagonisten allesamt eher fern, auch wenn manche ihrer Erlebnisse sehr gut dargestellt waren. Die Beschreibungen waren ebenfalls gelungen, aber in Sachen Emotionen konnte mich die Autorin leider nicht so berühren wie ich es aus anderen Werken von ihr gewohnt bin. Das fand ich schon schade. 

 

Die Handlung ist ansich nicht schlecht aufgebaut, aber der Mittelteil liess sich für mich schon ziemlich zäh lesen. Das hätte ich mir anders gewünscht, vorallem, da es auch zu Beginn drei und später zwei verschiedene Erzählstränge gab. Die Entwicklungen im Prozess fand ich nur bedingt glaubwürdig und die Entwicklung eines Charakters habe ich der Autorin leider überhaupt nicht abnehmen können. So wirkte es eher gewollt auf mich und nahm der Geschichte das realitätsnahe, das ich als großen Pluspunkt empfunden hatte. Ich gebe diesem Buch somit, schweren Herzens, nur 2,5 Rosen und runde auf 3 auf.

 

Positiv: 

* wichtige Thematik mit einigen Aha und Nachdenk - Momenten

* guter Handlungsaufbau

 

Negativ: 

* sehr zäher Mittelteil

* ich hätte mir mehr Tiefgang bei den Charakteren gewünscht

* das Ende habe ich leider teilweise als unglaubwürdig empfunden 


"Kleine große Schritte" ist ein Roman mit einer tollen Idee und einer interessanten Handlung. Leider hat die Geschichte in der Umsetzung auch einige Schwächen, was mich etwas zwiegespalten zurückgelassen hat. Schade, dass das Potenzial nicht ganz genutzt wurde, vorallem weil die Thematik wichtig ist und nachdenklich stimmt.