Mittwoch, 4. Oktober 2017

Zeit für Klassiker # 4 Rezension: Washington Square von Henry James

Titel: Washington Square

Autor: Henry James

Übersetzerin: Bettina Blumenberg

Verlag: Manesse

Seitenzahl: 288

ISBN-10: 3717523104

ISBN-13: 978-3717523109

Preis: 24,95 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt: 

Er liebt sie, er liebt sie nicht, er liebt sie, er liebt sie nicht … Selten waren Herzensangelegenheiten undurchsichtiger als in diesem Roman. «Washington Square», eines von James’ bekanntesten und beliebtesten Werken, offenbart dessen Meisterschaft in der Analyse menschlicher Abgründe. Die vorliegende Neuübersetzung erschließt die komplexe, anspielungsreiche Sprachwelt des Autors und ermöglicht endlich auch im Deutschen höchsten Lesegenuss.

Catherine Sloper ist ein schüchternes, in jeder Hinsicht blasses Mädchen – und eine der besten Partien New Yorks. Als ihr der attraktive Abenteurer Morris Townsend den Hof macht, geht sie bereitwillig auf sein Werben ein. Doch Catherines Vater, zugleich der Verwalter ihres Vermögens, vermutet in Townsend einen Mitgiftjäger und will eine Heirat um jeden Preis verhindern. Hin- und hergerissen zwischen kindlichem Pflichtgefühl und dem Wunsch nach Selbstbehauptung, ringt Catherine um eine Entscheidung. Hin- und hergerissen ist auch der Leser, denn über die wahren Motive aller Beteiligten – des verarmten Bräutigams in spe, der ebenso naiven wie geschmeichelten Braut, des in seiner Autorität verletzten Brautvaters, der sein Vermögen einst selbst durch Heirat erworben hatte – lässt uns Henry James bewusst im Unklaren.

 

 

Meine Meinung: 

"Washington Square" ist ein Roman des Autors Henry James. Auf diesen Klassiker bin ich aufgrund des Klappentextes aufmerksam geworden und ich war sehr gespannt, welche Geschichte sich letztendlich zwischen den Buchdeckeln befinden würde.

 

In dieser Geschichte geht es um die Protagonistin Catherine Sloper. Catherine ist eine schüchterne junge Frau, die aber trotz ihres eher blassen Auftretens eine der besten Partien in New York ist. Als sie den attraktiven Morris Townsed kennenlernt und er beginnt, ihr den Hof zu machen, geht sie auf sein Werben ein und verliebt sich schon bald in ihn. 

 

Doch die Beziehung der beiden steht unter keinem guten Stern, denn Catherine's Vater, der zugleich ihr Vermögen verwaltet, hält Morris für einen Mitgiftjäger und kann sich nicht vorstellen, dass der junge Mann, wirklich an seiner Tochter interessiert sein könnte. Catherine ist zwischen den beiden Männern hin - und hergerissen, will sie doch nicht auf ihre Liebe verzichten, aber es gleichzeitig auch ihrem Vater rechtmachen. Das beides zugleich niemals möglich sein wird, muss die Protagonistin leider schon bald feststellen ...


 

 

Der Einstieg in diesen Roman ist mir gut gelungen. Henry James hat einen flüssigen und angenehm zu lesenden Schreibstil, der vorwiegend aus raffiniert aufgebauten Dialogen und Wortgefechten besteht. Hiermit legt der Autor das Augenmerk auf die psychologischen Spielarten zwischen den verschiedenen Akteuren, was mir gut gefallen hat. 


Dennoch muss ich gestehen, dass die Geschichte, aufgrund der eher dünnen Handlung, doch einige langatmige Passagen hatte. Dazu trugen auch die Wiederholungen bei, die in meinen Augen, nicht notwendig gewesen wären. Indem der Autor wieder und wieder den Blick auf die persönlichen Gedanken gerichtet hat, wurden diese zwar eindringlicher, aber mir persönlich war es etwas zuviel des Guten. 


Die Ausarbeitung der Charaktere hat mir gut gefallen. Leider muss ich gestehen, dass die Entwicklung von der Protagonistin Catherine, mir deutlich zu kurz behandelt wurde. Auch wenn mich das Ergebnis überzeugen konnte, hätte ich gern mehr über den Weg dahin erfahren. 

 

Die Antagonisten waren für mich die am besten dargestellten Charaktere, allen voran Catherine's Vater, der in mir schon zu Beginn eine starke persönliche Abneigung geweckt hat. Seine Art, insbesondere, wie er mit seiner Tochter umgeht und über sie denkt, war in meinen Augen unterste Schublade und löste bei mir beim Lesen vielfältige Emotionen aus. Aber auch Morris hat auf meiner Abneigungsskala ein hohes Level erreicht, allerdings eher durch seine plumpe Oberflächlichkeit, statt wie Dr. Sloper, auf manipulative und berechnende Art und Weise. Das Zusammenspiel der Charaktere wurde von Henry James gut dargestellt, aber ich fand die Geschichte über weite Strecken viel zu langatmig. Etwas mehr Handlung hätte dem Buch bestimmt gut getan.

 

Positiv: 

* flüssiger, dialogreicher Schreibstil

* gute Ausarbeitung der Charaktere

* spannende Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen

 

Negativ: 

* einige inhaltliche Wiederholungen

* die Handlung war mehrfach sehr dünn und dadurch war mir die Geschichte oft 

   zu langatmig

 

"Washington Square" ist ein netter Roman, der auf raffinierte Weise die persönlichen, menschlichen Abgründe der Charaktere beleuchtet, mir aber oftmals etwas zu langatmig war. 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen