Samstag, 15. Juli 2017

Rezension: Amnesia - Ich muss mich erinnern von Jutta Maria Herrmann

 

Titel: Amnesia - Ich muss mich erinnern

Autorin: Jutta Maria Herrmann

Verlag: Knaur TB

Seitenzahl: 304

ISBN-10: 3426519976

ISBN-13: 978-3426519974

Preis: 9,99 Euro 










Inhalt: 

Du hast nichts zu verlieren.
Du hast eine mörderische Wut.
Und du kannst dich an nichts erinnern …
Als die Berlinerin Helen die Diagnose Krebs im Endstadium erhält, ist es ihr einziger Wunsch, sich vor ihrem Tod endlich mit ihrer Mutter auszusöhnen, zu der sie ein schwieriges und distanziertes Verhältnis hat. Bei ihrer Familie in der südwestdeutschen Heimat angekommen, muss sie dann schockiert erfahren, dass ihre schwangere Schwester Kristin von ihrem Ehemann Leon misshandelt wird. Am liebsten würde Helen Leon dafür umbringen, zu verlieren hat sie ja nichts mehr. Aber einen Menschen töten? Helen glaubt nicht, dass sie dazu wirklich fähig ist.
Am nächsten Morgen allerdings ist Leon tot – und Helen, die Medikamente mit schwersten Nebenwirkungen nimmt, hat keinerlei Erinnerung an die vergangene Nacht. Amnesie …

 

 

Meine Meinung: 

"Amnesia - Ich muss mich erinnern" ist der dritte Thriller der Autorin Jutta Maria Herrmann. Nachdem mich ihr letztes Werk sehr gut unterhalten hatte, war für mich ganz schnell klar, dass ich auch ihr neues Buch unbedingt lesen möchte. 

 

In dieser Geschichte geht es um die Protagonistin Helen. Helen lebt in Berlin und hat sich bis vor kurzem mit ihrem Freund Sven eine Wohnung geteilt. Als sie eines Tages nach Hause kommt liegt von Sven nur ein Zettel neben seinem Schlüsselbund auf dem "Leb wohl" steht. Nicht nur die Trennung, sondern auch die Wortwahl stoßen Helen sauer auf, denn sie hat vor einigen Monaten erfahren, dass sie Lungenkrebs im Endstadium hat und maximal noch ein Jahr zu leben hat. Kurzentschlossen fährt sie zu ihrer Familie. Besonders zu ihrer Mutter hat Helen ein schwieriges Verhältnis und sie hat den Wunsch sich mit ihr auszusöhnen. 

 

In der Heimat angekommen muss sie dann erfahren, dass ihre Schwester Kristin von ihrem Mann Leon misshandelt wird. Voller Wut auf ihn malt sie sich aus, dass es besser wäre, wenn Leon tot wäre. Aber einen Moment später ist sie sich sicher, dass sie keinen Menschen umbringen könnte. Als sie am nächsten Tag erfährt, dass Leon tot aufgefunden wurde ist Helen geschockt und das schlimmste ist, dass sie aufgrund ihrer Medikamente keine Erinnerung an die letzte Nacht hat ... 

 

 

Der Einstieg in diese Geschichte ist mir dank des lockeren und flüssigen Schreibstil von Jutta Maria Herrmann sehr gut gelungen. Die oftmals kurzen Kapitel und, dass die Geschichte in Ich - Form aus der Sicht von der Protagonistin Helen erzählt wird, fand ich gut gewählt. Die Buchidee hat mich direkt begeistert, da sie ansich viel Spannung verspricht. 

 

Leider war mir schon nach wenigen Kapiteln klar, dass es ein wenig anders kommt, als ich es mir erhofft hatte. Die Handlung ist hauptsächlich auf Helen's Krebserkrankung beziehungsweise die Diagnose, ihren Umgang damit und ihre Medikamente fokussiert. Das finde ich so nicht schlecht, wenn es denn spannende Elemente gegeben hätte. Die Anteile um die familiäre Konstellation und Helen's Probleme mit ihrer Mutter haben fast genauso viel Raum eingenommen, sodass ich von den ersten zwei Dritteln der Geschichte echt enttäuscht war. Habe ich schließlich zu einem Thriller gegriffen und nicht zu einer psychologisch angehauchten Schicksals - und Familiengeschichte. Bei diesen Themen gab es mir auch viel zuviele Wiederholungen, die ich eher suboptimal und auch nicht notwendig fand. Es liess die Protagonistin leider manchmal echt anstrengend wirken.

 

Ein weiterer Punkt, der mich wirklich gestört hat war, dass die Halluzinationen und Gedächtnislücken auf mich überhaupt nicht realistisch wirkten. Ich fand das alles oftmals viel zu überzogen und das hinterliess einen bitteren Nachgeschmack. Kreative Freiheit ist ja gut und schön, aber so extrem wirkt auch kein Tranquilizer. Die Halluzinationen etc die die Autorin hier beschreibt sind, meines Wissens nach, in geringerer Form, wenn überhaupt bei einem plötzlichen und nicht schrittweise Absetzen möglich, aber nicht während der normalen Einnahme. Selbst wenn die Protagonistin mehr genommen haben soll, kam mir das alles wenig realistisch vor. 

 

Dennoch konnte mich Frau Herrmann noch positiv überraschen und zwar mit einem ziemlich unvorhersehbaren Schlenker in der Handlung, den ich sehr gelungen fand. Hier war ganz viel Potenzial vorhanden, wogegen das offene Ende leider ziemlich rasch und nicht immer plausibel dargestellt wurde. Hier blieben mir viel zuviele Fragen offen und Handlungsstränge, die vorher so wichtig waren lösten sich quasi problemlos auf. Das fand ich sehr schade.

 

Positiv: 

* flüssiger und lockerer Schreibstil

* emotionale Beschreibungen zur Krebs Thematik 

 

Negativ: 

* die Handlung bietet erst sehr spät ein bisschen Spannung

* es gibt viele Wiederholungen in den Gedanken der Protagonistin

* das Ende blieb mir viel zu vage und liess zuviele Fragen offen

* die beschriebenen Medikamentennebenwirkungen waren, für mich, viel zu 

   überzogen und teilweise komplett unrealistisch

 

"Amnesia - Ich muss mich erinnern" war ganz anders, als erhofft und das leider nicht im positiven. Mir fehlte vorallem die Spannung und die Glaubwürdigkeit und obwohl die Geschichte schon Potenzial mitbringt wurde es in der Umsetzung kaum genutzt.

 

Kommentare:

  1. Oh, jetzt bin ich nicht mehr so sicher, ob ich das Buch lesen möchte. Offene Enden mag ich nicht wirklich gerne und für Wiederholungen bin ich gar nicht zu haben! Ich bin ein eher ungeduldiger Leser! Hm, muss ich mal drüber nachdenken! Danke für deine Einschätzung! LG Verena

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    1. Huhu Verena,
      das tut mir leid. Ich mag offene Ende auch nur ganz selten und dieses hat mich leider gar nicht überzeugt. Wiederholungen kommen mir oft vor wie Lückenfüller, was ich echt störend finde, wenn es zu oft ist.
      Hast du dich entschieden, ob du es dennoch lesen willst?
      Liebe Grüße, Petra

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